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GEDANKEN
ZUR ANGLO-ARABER-ZUCHT
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©
Copyright Urte Kern 2006
Die Idee der Anglo-Araber-Zucht
war und ist es, die Vorzüge des Arabischen Blutes mit denen des
Englischen Vollblüters zu vereinigen. Anglo-Araber wurden und werden
mit Vorliebe in den Landespferdezuchten eingesetzt, genannt sei hier
beispielhaft nur RAMSZES, der
vor allem im Westfälischen Zuchtgebiet eine eigene Blutlinie begründete.
Anglo-Araber erbringen Höchstleistungen im Spitzensport: bei der
Military-Europameisterschaft in Italien 1995 war bestes Deutsches Pferd
ein Anglo-Araber, ebenso waren Anglo-Araber in Atlanta olympisch
erfolgreich in der Military. Im grossen Springsport war es der
Anglo-Araber REX THE ROBBER,
der lange Zeit unter Besitzer Alwin Schockemöhle gewinnreichstes
Turnierpferd der Welt war. Auch der unvergessene MILTON war genetisch ein Anglo-Araber.
Andere
Länder – andere Sitten. Anglo-Araber wurden und werden in
unterschiedlichster Ausprägung in vielen, vor allem in den Europäischen
Ländern gezüchtet. Einheitlich ist in allen Zuchten lediglich die
Unterscheidung zwischen Anglo-Arabischem Vollblut und Anglo-Araber.
Das
Anglo-Arabische-Vollblut lässt sich ausschliesslich auf Arabische
Vollblüter („ox“) und Englische Vollblüter („xx“) zurückführen
und besitzt keinerlei Fremdblutanteile anderer Rassen. In Deutschland führen
die oft mit „AAV“ abgekürzten Anglo-Arabischen Vollblüter den
Zusatz „x“ hinter ihrem Namen. In Polen werden diese Pferde mit „xxoo“
ergänzt. Solange die Abstammung rein bleibt, sind hier jeweils
Blutanteile mit deutlichem Ausschlag zu der einen oder anderen
Ursprungsrasse denkbar. Eigene Zuchtbücher für die Rasse des AAV
existieren in Europa nicht; in den meisten Zuchtverbänden werden sie
aber durch die beschriebenen Zusätze eigens gekennzeichnet.
Wir züchten
mit einer Anglo-Arabischen-Vollblutlinie, die der Arabischen Mutterlinie
der NICHANE ox entstammt,
sportlich geprägte, reiterlich getestete, 1,63 m. grosse und
erfolgreiche Vollschwester unseres verstorbenen Starvererbers NAHEED
ox. Ihr Sohn, unser bis Klasse S sporterfolgreicher AAV-Hengst NEESAHN x, führt
als typische F1-Generation jeweils hälftig die Anteile des Arabischen
Vollblüters und des Englischen Vollblüters. Bei einem Stockmass von
162,5 cm vereinigt dieser Hengst optimal die Merkmale der beiden
Ursprungsrassen in sich, wobei zusätzlich der Arabische Anteil
besonders auf Grösse, Langlinigkeit und Rittigkeit selektiert ist.
Die
Anglo-Araber dürfen je nach Land - und dort teilweise sogar auch noch
unterschiedlich nach den vorhandenen Zuchtverbänden - unterschiedlich
hohe Anteile an Fremdblut aufweisen und müssen, ebenfalls
unterschiedlich nach den jeweiligen Zuchtverbänden, Mindestblutanteile
der beiden Ursprungsrassen besitzen. Werden die Fremdblutanteile überschritten
beziehungsweise die geforderten Mindestblutanteile unterschritten,
halten die Zuchtverbände verschiedenste Zuchtbuch-Konstruktionen von
„Anglo-Araber-Anhang“ bis zum „Anglo-Arabischen-Halbblut“ oder
zum „Arabischen Halbblut“ bereit.
Dass
man von
einer einheitlichen Anglo-Araber-Rasse
In
Frankreich existiert erst seit Ende des zweiten Weltkrieges ein
einheitliches Stutbuch für „Anglo-Araber“. Ursprünglich züchtete
man hier auch das Anglo-Arabische Vollblut, das jedoch durch die
Kriegsbedürfnisse des Krieges um 1870 zu leicht war und deshalb neben
der Zucht des reinen AAV zur Zucht des sogenannten Anglo-Arabischen
Halbbluts (AAH) führte. Hier paarte man den AAV mit bodenständigen
französischen Rassen an, unter anderem mit den schweren Normänner-Rassen.
Beide Stutbücher (AAV und AAH) wurden bis zum Ende des Zweiten
Weltkrieges getrennt geführt. Durch die kriegsbedingte Minimierung der
beiden Zuchten kam es dann zur Vereinigung beider Stutbücher zum
einheitlichen Anglo-Araber-Stutbuch. Dies erklärt, warum genetisch der
Warmbluteinfluss in der heutigen Französischen Anglo-Araber-Zucht
besonders hoch sein kann (denkbar wäre, dass ein Individuum nur ¼
arabisches Blut, ¼ englisches Vollblut und ansonsten bodenständiges
Warmblut führt). Dies korrespondiert mit dem in der Regel grösseren
Rahmen des Französischen Anglo-Arabers. Ein insoweit typischer
Vertreter seiner Rasse, allerdings mit deutlich verbesserter Arabischer
Ausstrahlung ist unser Französischer Anglo-Araber-Hengst KATANGA.
Die
Polnische AA-Zucht wird dominiert von
den Polnischen Landrassen,
dem (warmblütigen) Wielkopolski und dem (trakehnerverwand-ten)
Mavropolski.
Beides sind
Pferderassen mit mittlerweile genetisch gesicherter Umgänglichkeit und
enormen Springvermögen, dabei häufig im Rahmen etwas knapper als die
Deutschen Warmblüter. Die Pferde stehen häufig deutlich im
Rechteckformat, was sich auch in der Polnischen AA-Zucht widerspiegelt.
Neben dem oben schon bezeichneten reinen AAV (in Polen: xxoo) wird hier
der Anglo-Araber mit der Bezeichnung „xo“ geführt, der bei bis zu
50 Prozent Fremdblut-Anteilen mindestens 25 Prozent Arabisches (in Polen
als „oo“ bezeichnet) und 25 Prozent Englisches Vollblut führen
muss.
Angesichts
der im Vergleich zu den Französischen bodenständigen Pferden völlig
unterschiedlichen Polnischen Grundrasse erklärt dies die völlig
unterschiedliche Erscheinungsform der Polnischen Anglo-Araber zu den
Französischen.
In
Deutschland haben neben dem Polnischen und dem Französischen
Anglo-Araber und den beiden Ursprungsrassen zusätzlich noch die
Shagya-Araber Eingang in die Anglo-Araber-Zucht gefunden. Diese, ursprünglich
aus Ungarn stammende Reinzucht-Rasse, prägt ein drittes
Erscheinungsbild, nämlich das des Arabisierten Reitpferdes, das aber im
Rahmen eher dem Araber als dem bodenständigen Ungarischen Pferd
entspricht.
Bedenkt man,
dass zusätzlich zu den in Deutschland eingesetzten Französischen und
Polnischen Anglo-Arabern und zusätzlich zu den Vollbutarabern und den
Shagya-Arabern die Ausprägung der eingesetzten Englischen Vollblütern
auch noch verschiedenartig ist – hier sind kleine Pferde von einem
Stockmass von nur 1,55 m. bis hin zu in der Warmblutzucht eingesetzten
Englischen Vollblütern um die 1,70 m. Stockmass denkbar - erklärt dies
das wenig einheitliche Bild des Deutschen Anglo-Arabers.
Zuchtbuchtechnisch
und abhängig vom jeweiligen Zuchtverband sollen bei den Anglo-Arabern
in Deutschland die Blutanteile der beiden Ursprungsrassen nicht unter 25
Prozent liegen, während die Fremdblutanteile 12,5 Prozent bzw. 6,75
Prozent nicht überschreiten sollten. Eine Über- bzw. Unterschreitung führt
dazu, dass die Anglo-Araber dann als Anglo-Araber-Anhang registriert
werden, was auf ihre Qualität und ihre Kör- und Eintragungsfähigkeit
keinerlei Einfluss hat, sondern lediglich eine zuchtbuchtechnische
Regularie ist, um das Überwiegen der einen oder anderen Ursprungsrasse
zu kennzeichnen. Auch ohne diese Regularie, die züchterisch auf die
Qualität der Pferde sicherlich keinen Einfluss hat, kann angesichts der
dargestellten (alleine fünf ! Haupt-) Zuchteinflüsse der Deutschen
Anglo-Araber-Zucht ein einheitliches Rassebild des Anglo-Arabers nicht
hergestellt werden.
Kriterium für unsere Anglo-Araber-Zucht ist deshalb nicht eine bestimmte Blutlinienführung, sondern die uneingeschränkte sportliche Konkurrenzfähigkeit bis in die höchsten Klassen – und bis ins hohe Alter.
Zweites Kriterium ist das Arabische Erscheinungsbild, das wir – in der Ausprägung abhängig von der Höhe des geführten Arabischen Blutanteils – grundsätzlich erwarten: Ein Anglo-Araber soll seinen Arabischen Ursprung erkennen lassen !
Dies
fanden wir bei unserem inzwischen verstorbenen, aber über TG-Sperma für
die Zucht noch gesicherten Prämienhengst
KATANGA, Französischer Anglo-Araber mit geringem Arabischen Anteil
(34,5 %) und Stockmaß 164 cm, ebenso deutlich wieder wie bei unserem
selbst gezogenen Anglo-Araber-Spitzenhengst FAROUCHE
LE PREMIER, der bei einem sehr hohen Arabischen Anteil (87,5 %) und
dadurch sehr deutlicher Arabischer Prägung seinen großen Rahmen und
sein Stockmaß von 162,5 cm durch die über mehrere Generationen auf Grösse,
Rahmen und nachgewiesene Leistungsfähigkeit selektierten Arabischen
Ergebnis
ist züchterisch ein Anglo-Araber, der schon von weitem als Pferd mit
Arabischem Einschlag zu erkennen ist, gleichzeitig aber bei längeren
Linien ein Stockmass zwischen 1,60 und 1,65 m aufweist und für den
Vielseitigkeitssport, für die beiden Grunddisziplinen oder für den
Distanzsport geeignet ist.
Das
Zuchtziel spiegelt sich wider im Gestütsnamen
Classic Performance.
Manifestiert
hatten wir zuvor unser Zuchtziel durch die AA-Stammstute FATINITZA,
verstorben im Jahr 2001. Sie war zweimal Deutsche Championesse und
bestach durch überragende Bewegungsmechanik bei einem mit Note 9
bewerteten Schwung. Aus Anpaarung mit NAHEED
ox entsprangen hier unzählige Siegerfohlen und hengstleistungsgeprüfte
männliche Nachkommen, die überdies im Turniersport erfolgreich sind. FATINITZA
selbst hatte als AA-Stute einen mit 75 Prozent sehr hohen Arabischen
Blutanteil, dies allerdings durch einen Shagya-Araber-Vater, der selbst
ein Stockmass von 1,60 aufwies und im Springen bis Klasse S sowie in der
Dressur bis Klasse M gefördert war.